Menü>Presse
EN
X
X
Menü>Newsletter

Odor Symposium

27.1.–28.1.23

Die Ausstellung Odor, Immaterielle Skulpturen im Museum für Gegenwartskunst Siegen widmet sich ganz der Macht der Gerüche. Sie versammelt Werke, welche Geruch als Riech- und Raumerfahrung in den Mittelpunkt des Kunsterlebens stellen. Gezeigt werden immaterielle Skulpturen, darunter bestehende Arbeiten ebenso wie zahlreiche Neuproduktionen, die für diese besondere Ausstellung entwickelt wurden und die Besucher*innen mit den Fähigkeiten des Geruchssinns konfrontieren.

Begleitend zur Ausstellung vertieft das internationale Symposium die Beschäftigung mit dem Geruchssinn und den Eigenschaften des Immateriellen. Die eingeladenen Referent*innen aus Kunst und Wissenschaft eröffnen aktuelle Perspektiven auf die Botschaften der Düfte in Kunst und Gesellschaft.

Mit Beiträgen u.a. von
Ilona Croy, Professorin für klinische Psychologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Jim Drobnick, Professor für Zeitgenössische Kunst und Theorie, OCAD University Toronto, CA
Hanns Hatt, Professor für Zellphysiologie, Ruhr Universität Bochum
Oswaldo Maciá, Künstler, Santa Fe, New Mexico (USA) und London (UK)
Robert Müller-Grünow, Scentcommunication, Köln
Clara Ursitti, Künstlerin, Glasgow (UK)
Luca Vitone, Künstler, Mailand (IT) und Berlin


Programm

FR. 27.1.23

15.30 Uhr
Beginn der Akkreditierung und Führung durch Odor, Immaterielle Skulpturen     
mit Lea März, Assistenzkuratorin der Ausstellung, MGKSiegen

17 Uhr    
Grußwort
Dr. Marie Cathleen Haff, Kulturstiftung des Bundes
In englischer Sprache

Begrüßung und Einführung
Thomas Thiel, Direktor, MGKSiegen
In englischer Sprache
    
Olfactory Art: Origins, Predicaments, Challenges
Jim Drobnick, Professor für Zeitgenössische Kunst und Theorie, OCAD University Toronto, CA
In englischer Sprache

18 Uhr
Il Buono, il brutto, il cattivo
Clara Ursitti, Künstlerin, Glasgow (UK)
In englischer Sprache

19 Uhr    
Duft – das am meisten unterschätzte Kommunikationsmedium
Robert Müller-Grünow, Scentcommunication, Köln
In deutscher Sprache

SA. 28.1.23

10 Uhr    
Die Bedeutung des Riechens im Alltag – Erkenntnisse aus Psychologie und Neurowissenschaften
Ilona Croy, Professorin für klinische Psychologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena
In deutscher Sprache

11 Uhr
Smell as Sculpture. A question of language     
Luca Vitone, Künstler, Mailand (IT) und Berlin
In englischer Sprache

12 Uhr     
Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt
Hanns Hatt, Professor für Zellphysiologie, Ruhr Universität Bochum
In deutscher Sprache

Mittagspause

14 Uhr    
Composition in Three Notes / Reflections on Unconsciousness
Oswaldo Maciá, Künstler, Santa Fe (New Mexico, USA) und London (UK)
In englischer Sprache

14.30 Uhr
Exhibiting smell and immateriality
Roundtable-Gespräch mit Jim Drobnick, Oswaldo Macia, Thomas Thiel, Clara Ursitti, Luca Vitone,   
Florian Waldvogel (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum)
In englischer Sprache

15.30 Uhr
Ende

Die Teilnahme am Symposium ist kostenfrei. Wir bitten um Anmeldung per Email an info@mgksiegen.de mit dem Betreff „Symposium Odor“. Die Teilnahme an einzelnen Vorträgen ist selbstverständlich möglich. Weitere Informationen zu den Vorträgen und Referent*innen finden Sie unter: mgksiegen.de

Odor, Immaterielle Skulpturen entsteht in Zusammenarbeit mit dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum und wird vom 27. April bis 25. Juni 2023 in Innsbruck unter anderen räumlichen Bedingungen gezeigt.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Wir danken für die Förderung der Ausstellung der Kunststiftung NRW.


Abstracts

Olfactory Art: Origins, Predicaments, Challenges
Jim Drobnick
Contemporary olfactory exhibitions offer opportunities to explore the complexity and significance of smells in art. With diverse roots in multi-sensory events, anti-modernist movements, and avant-garde art, one could say that an artistic interest in scent has been percolating for centuries. Yet it has been only recently that visual artists have specialized in scent and a distinct genre of olfactory art has emerged. What does this mean for museums? This presentation surveys how olfactory art generates sensory predicaments that usefully challenge aesthetic habits, decolonize the senses, and raise new possibilities for scent's relevance to everyday life.
Jim Drobnick is a critic, curator and Professor of Contemporary Art and Theory at OCAD University, Toronto. He has published on the visual arts, performance, the senses, and post-media practices in recent anthologies such as Olfactory Art and the Political in the Age of Resistance (2021), Designing with Smell (2017), Food and Museums (2017), L’Art Olfactif Contemporain (2015), The Multisensory Museum (2014), Senses and the City (2011), and Art, History and the Senses (2010). He has guest edited special thematic issues of Performance Research (Under the Influence, 2017), PUBLIC (Civic Spectacle, 2012) and The Senses & Society (Sensory Aesthetics, 2012). His books include the anthologies Aural Cultures (2004) and The Smell Culture Reader (2006). He co-founded the Journal of Curatorial Studies, an international, peer-reviewed journal that explores the increasing relevance of curating and exhibitions and their impact on institutions, audiences, aesthetics and display culture. His curatorial collaborative, DisplayCult, organizes art exhibitions that foreground performative and multisensory projects.

Il Buono, il brutto, il cattivo
Clara Ursitti
Since the early 1990s, I have worked with scent and social space creating ephemeral installations and public interventions.  Underlying my practice is an obsession with what is invisible, either literally (through the non–visual senses), or metaphorically (through dominant social relations or attitudes).  For this paper I will discuss how my use of scent has evolved with particular reference to a few key works.
Ursitti has exhibited widely and currently has a solo exhibition, Amik, at the Gallery of Modern Art, Glasgow, Scotland. Recent exhibitions include Olfaktor: Geruch gleich Gegenwart, Städtische Galerie Bremen, 2021, Hole in the Sky, The Modern Institute, Airds Lane, Glasgow, 2018; What’s Love Got to Do With It? Art-Cade Gallery, Marseille, France (part of Printemps Art Contemporain  Festival, 2018), and Good £uck, Glasgow International Festival of Visual Art, 2018.  Her work was included in the survey exhibitions: Belle Haleine, Museum Tinguely, Basel, 2015, Generation: 25 Years of Contemporary Art in Scotland 2014, Sex Smells at the Kunstverein, Wolfsburg, Germany, 2016, and There is Something in the Air, Museum Villa Rot, Burgrieden – Rot, Germany 2015.    She was a recipient of the IASPIS (International Artists Studio Programme in Sweden) award in 2004 and in 2006 she was the Arts Council of England Helen Chadwick Fellow (British School at Rome and University of Oxford), and in 2009-2010 she was awarded the Scottish Arts Council Artist Award, and in 2012-14 a Canada Council Long Term Artist Grant.  Recent grants include a Creative Scotland Artist Grant 2019 and Royal Society of Edinburgh Research Grant 2020.  She lectures in the Sculpture and Environmental Art Department at Glasgow School of Art.  More information: claraursitti.com

Duft – das am meisten unterschätzte Kommunikationsmedium
Robert Müller Grünow
Duft gilt als die emotionalste Kommunikation, daher spielen Düfte bei Marken zunehmend eine Rolle und werden immer gezielter in der Vermarktung eingesetzt. Ebenso die technische Entwicklung wie Virtuality Reality spielt mit dieser zusätzlichen Sinneswahrnehmungen. Doch wie genau wirkt Duft? Und welche Wirkungen sind über das „Riechen“ hinaus möglich? Der Vortrag untersucht neben konkreten Beispielen, wie die Wahrnehmung der Nase die Bewertungen und sogar Verhalten beeinflussen kann.
Robert Müller-Grünow (Dipl.Kfm., Universität zu Köln), geb. 1968, ist Unternehmer und Autor, er gehört nach seiner internationalen Ausbildung, Studium und beruflichen Stationen in Deutschland, USA und Brasilien seit 1997 mit dem Start der aerome GmbH zu den Pionieren im Bereich Duft und Dufttechnologien und gründete 2003 Scentcommunication, einen der weltweit führenden Anbieter von Dufttechnologien und Duftkonzepten. Seit Gründung des Unternehmens hat Scentcommunication eine Reihe innovativer Systeme für die Speicherung und Ausbringung von Düften und Aromen entwickelt, die neue Anwendungsgebiete für Düfte als Gestaltungsmittel und Kommunikationsmedium eröffnen sowie Markendüfte für bekannte Marken und neue Anwendungsfelder für Düfte geschaffen. 2018 wurde Robert Müller-Grünow der 1. Platz des Kölner Unternehmerpreises verliehen, der durch den NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie vergeben wurde. Er tritt regelmäßig als Redner auf Kongressen und Veranstaltungen auf (u.a. Creative Mornings, IMM/The Stage, Universität zu Köln, etc.).

Die Bedeutung des Riechens im Alltag – Erkenntnisse aus Psychologie und Neurowissenschaften
Ilona Croy
Das Riechen ist eines der evolutionär ältesten Sinnessysteme und unterscheidet sich fundamental von anderen Wahrnehmungen: Riechen ist ziemlich unpräzise, schlecht verbalisierbar und wird im Gehirn ganz anders verschaltet, als Sehen, Hören oder Tasten. Wenn Menschen gefragt werden, auf welchen ihrer Sinne sie am ehesten verzichten könnten, dass ist das typischerweise das Riechen. Dabei spielt dieser unterschätzte Sinn eine wichtige Rolle – nicht nur beim Essen und Trinken, sondern auch beim Schutz vor Erkrankungen und in unseren sozialen Beziehungen. Diese Funktionen werden im Vortrag genauer betrachtet.
Ilona Croy hat als Psychologin in Dresden promoviert, habilitiert und sich als psychologische Psychotherapeutin approbiert. Nach mehrjähriger Forschung in Göteborg und Linköping in Schweden, leitete sie zunächst die Forschungsabteilung an der psychosomatischen Klinik der Universitätsklinik Dresden. Seit 2021 hat Ilona Croy den Lehrstuhl für klinische Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität inne. Sie erforscht die neuronalen Grundlagen, mit denen wir schnüffelnd und tastend unseren Mitmenschen begegnen, ist fasziniert von Gehirnen und begeistert sich für große Datensätze. Sie bemüht sie sich, Wissenschaft verständlich zu erklären und wurde für ihr Engagement in Lehre und Betreuung ausgezeichnet.

Smell as Sculpture. A question of language
Luca Vitone
Jedes von einem Künstler signierte Objekt, das in einem vom Kunstsystem kodifizierten Raum ausgestellt wird, ist als Skulptur und somit als Kunstwerk zu betrachten, wie es Marcel Duchamp vor hundert Jahren definiert hat. Heute können wir sagen, dass jedes Objekt als Skulptur definiert werden kann, und da auch der Geruch ein Objekt ist, ist der Geruch eine Skulptur, und um diesen Status zu erreichen, muss er allein ausgestellt werden.
Die künstlerische Tätigkeit von Luca Vitone begann in der ersten Hälfte der 80er Jahre. Der Fokus lag dabei auf der Idee eines Ortes, der den Betrachter auf bereits Gewohntes aufmerksam machen sollte und sich über Konventionen veränderlicher, verblasster Erinnerungen hinwegsetzte. Vitone verbindet die Lücke zwischen dem Gefühl des Verlustes eines Ortes, der charakteristisch für die Postmoderne ist, und der Art und Weise wie Zusammengehörigkeitsgefühle in Verbindung zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis entstehen. Er hat mehrere nationale und internationale Preise und Stipendien gewonnen: Im Jahr 2018 gehörte er mit dem Projekt Romanistan zu den Gewinnern der vierten Ausgabe des Italian Council, einer von der Generaldirektion für zeitgenössische Kreativität von Mibact lancierten Ausschreibung. Im Jahr 2019 gewann er in Zusammenarbeit mit Stefano Boeri Architects die Ausschreibung für die Realisierung des Projekts Il Parco del Polcevera e il Cerchio Rosso (Der Park der Polcevera und der rote Kreis), zu dem auch das temporäre Werk La radura della memoria (Die Lichtung des Gedächtnisses) gehört, das den Opfern des Einsturzes der Morandi-Brücke gewidmet ist und auf seine endgültige Installation wartet. Luca Vitone unterrichtet seit 2006 Bildhauerei an der Nuova Accademia Belle Arti in Mailand.

Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt
Hanns Hatt
„Ich kann Dich nicht riechen“ ein bekannter Ausspruch für den die Wissenschaft in den letzten Jahren die zugrundeliegenden molekularen und zellulären Prozesse erarbeitet hat, die es uns ermöglichen Tausende von Gerüchen, selbst in niedrigsten Konzentrationen , wahrzunehmen.
Moderne bio- und gentechnologische Methoden kombiniert mit bildgebenden Verfahren, haben uns neue Einblicke in die komplexe Welt der Wirkung von Duftstoffen auf den Menschen gebracht. So tragen wissenschaftlich fundierte Daten in den letzten Jahren wesentlich zu unserem Verständnis bei, wie Düfte zur menschlichen Kommunikation eingesetzt werden, unsere Gefühle und Stimmungen verändern oder im medizinischen Bereich zur Diagnose und Therapie von Krankheiten eingesetzt werden können.
Hanns Hatt geboren 1947, Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil., studierte Biologie, Chemie und Humanmedizin an der LMU München. Promovierte in Biologie, Medizin und Physiologie und leitet ab 1992 den Lehrstuhl für Zellphysiologie an der Ruhr Universität Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Sinnes- und Neurophysiologie, vor allem der Erforschung der molekularen und zellulären Mechanismen des menschlichen Riechens. Hierfür wurde er mit vielen Forschungspreisen ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Leopoldina, der NRW - und der bayerischen Akademie der Wissenschaften Von 2015 bis 2021 war er Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.

Composition in Three Notes / Reflections on Unconsciousness
Oswaldo Maciá

Oswaldo Maciá describes his works as sculptural compositions arising from images, objects, sounds and, above all, smells. The artist explores a (post)colonial history of smell, investigating the migration of smells which is always accompanied by a big lacuna and the disappearance of local knowledge. In doing so, he opens up different perspectives on the global changes and smells that shape cultures.
Composition in Three Notes/Reflections on Unconsciousness is a based on the scents of: Balsamo tree, Myroxylon balsamum pereirae, found in the wild forest of El Salvador a tree native form Central America, Gaiacwood tree, Bulnesia sarmientoi from the unique biodiversity of El Chaco, Paraguay, South America, and Green Cardamom, Elettaria Cardamomum cultivated in Guatemala, native from India. The work was created in collaboration with Elisa Aragón, Nelexia, Guatemala. Rather than using synthetic molecules in the piece, the artist works with raw material which bear a long cultural and ritual tradition in South America.
These materials can be read like a footprint of a specific place. Since colonisation, the aromatic substances have been appropriated in various ways and are associated with corruption and challenging working conditions as well as with the trade and production chain of the perfume industry. Using these natural fragrances as a basis and with the help of a yellow-edged room reminiscent of the pigmented cells of an olfactory epithelium, Maciá sets out to create an unfiltered and yet simultaneously conscious scent experience.
Oswaldo Maciá’s immersive scenarios of sound and smell are held in international art collections and have been exhibited globally, including at Tate Modern, Tate Britain, Manifesta 9, Venice Biennial, Daros Latinamerica, Riga Biennial, MOCO Montpellier Contemporain, Kunsthalle Bremen, Site Santa Fe and Porto Alegre Biennial. Maciá won the Golden Pear at the 2018 Art & Olfaction Awards for his experimental work with scent; in 2015 was awarded a public commission for the city of Bogotá, creating the first public sound sculpture in the southern hemisphere; and in 2011 received the prestigious first prize at the 2011 Bienal de Cuenca, Ecuador. Maciá was born in the Caribbean city of Cartagena de Indias, Colombia. He lives and works in London and New Mexico. Focusing on migration and cross-pollination.