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Maria Lassnig zeichnerisch

Studiolo

„Die Zeichnung ist der Idee am nächsten. Die Zeichnung ist dem Augenblick am nächsten. Jeder Augenblick hat nur eine Möglichkeit.“

Mit diesen Worten erklärte Maria Lassnig (1919–2014) die Unmittelbarkeit des Zeichnens, die für sie den Reiz des Mediums ausmachte. Neben ihrer Malerei hat Maria Lassnig sich in ihrer künstlerischen Arbeit ausgiebig der Zeichnung gewidmet, die sogar für ihr filmisches Schaffen maßgeblich war.

Erstmals werden neuerworbene Zeichnungen (1974–2009) sowie ein frühes Gemälde aus der Sammlung Lambrecht-Schadeberg im Rahmen des neuen Ausstellungsformats „Studiolo“ gezeigt. Das Studiolo versteht sich als ein dynamischer Raum innerhalb der Sammlung des MGKSiegen. Hier werden zukünftig in regelmäßig wechselnden Ausstellungen einzelne Schwerpunkte und Werkgruppen der Sammlung Lambrecht-Schadeberg in den Fokus genommen.

„Maria Lassnig zeichnerisch“, die erste Präsentation mit Ankäufen aus den letzten drei Jahren, gibt einen tieferen Einblick in Lassnigs zeichnerisches Schaffen. Buntstiftzeichnungen sind ebenso vertreten wie Bleistiftzeichnungen in Kombination mit farbigem Acryl-, Gouache- oder Temperahintergrund sowie Tuschzeichnungen. In ihren Papierarbeiten werden Motive erprobt und untersucht – sie stellen keine direkten Vorstudien ihrer Gemälde dar, sondern sind autonom. Ihr Interesse für Körperliches bringt die Künstlerin in der Darstellung von realistischen und amorphen Gestalten zu Papier.

Neben realistischen Abbildungen der „Nachbarin mit Hund“ gibt es auch freiere, aber dennoch anschauliche Erzählungen wie „Augenkopf“ und „Flaschengeist“. Andere sind kryptischer und lassen die Deutung offen – so erscheint „Ritterzeit“ gleichzeitig spielerisch und beunruhigend, ebenso wie „Silent green“. Dessen Titel könnte die an Gras erinnernde grüne Fläche bezeichnen, auf der die fast amorphen Fuß-Gestalten miteinander verschmelzen. „Meine Geburt ist schwer“ wiederum bezieht sich auf ein Körpergefühl, ein grundlegendes Thema in Lassnigs Schaffen.

Oft finden sich in den Werken Paare, so wie bei „Mutter und Kind“, „Oben und Unten“, dem bereits erwähnten „Silent green“ oder „Ohne Titel“. Neben dem Gefühl für oder aus dem eigenen Körper heraus sind auch die Beziehungen zur Umwelt und anderen Menschen maßgeblich für jedes Körpergefühl. So fügt sich auch das neuerworbene Gemälde „Zwei Nebeneinander / Doppelfiguration“ von 1961 wie ein malerischer Kommentar zu den ausgestellten Zeichnungen. Der nahezu zeichnerische Pinselstrich auf der ansonsten freigelassenen Leinwand lässt die Grenze zwischen Zeichnung und Malerei beinahe verschwinden.

Die Zeichnung bildet einen eigenen Werkkomplex innerhalb Lassnigs umfassenden Œuvres. Die Ausstellung vermittelt das Repertoire an Themen und Techniken. Sie macht Maria Lassnig über den Augenblick hinaus zeichnerisch und unmittelbar erlebbar.

12 Werke in der Sammlung