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Hubert Kiecol

Golden

Hubert Kiecol (*1950) gehört zu den bedeutendsten Positionen zeitgenössischer Skulptur in Deutschland. Die Ausstellung „Golden“, die sich auf ca. 800 qm Fläche entfaltet, würdigt damit auch einen der wichtigsten nordrhein-westfälischen Künstler auf angemessene Weise. Die Siegener Werkschau stellt sowohl skulpturale als auch druckgraphische Arbeiten vor.

Hubert Kiecol, Golden, 2001, © VG Bild-Kunst, Bonn 2001, Foto: Rosenstiel

Neben skulpturalen Stücken wie „Palace Girl“ oder „Séparée“ werden in der Ausstellung großformatige Zeichnungen, Holzdrucke, Siebdrucke und Radierungen gezeigt. In ihrer Größe und Einfachheit sprechen diese zweidimensionalen Stücke den Betrachter mit rein elementaren Formen und Formationen an. In Einzelstücken, zu zweit und in Reihen verbinden sich die Ensembles und entwickeln grundlegende Variationen, die eine inhärente, skulpturale Präzision von Material und Form aufweisen.

Die Arbeiten sind keine Bilder im herkömmlichen Sinne oder Darstellungen der materiellen Welt, die vor uns stehen, sondern archaische Typen und ikonische Zeichen, die Erinnerungen schaffen und dennoch für sich selbst stehen. Die Formtypen und Zeichen von Kiecol sind offen und verbinden sich auf ganz bestimmte Weise mit dem umgebenden Raum. Sie beeinflussen den Raum, in dem sie stehen, und der umgebende Raum beeinflusst sie wiederum. Durch diese Interaktion entfaltet sich ein Zusammenspiel mit dem Betrachter.

Gegenüberliegende Themen wie Form und Materie, Nähe und Offenheit, Grenzen und Transzendenz, Leere und Dichte, Schwerkraft und Schwerelosigkeit, Objektivität und Abstraktion können nur unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven als untrennbare - paradoxe - Konstellation verstanden werden. Kiecol erreicht dies in der konzentriertesten Form. Grundsätzlich zeigt er uns, was Abstraktion ist: kein einziger irreversibler Schritt, sondern ein fortwährender Produktionsprozess, genau wie bei der Rezeption visueller Formen.

Als „postminimalistische“ oder „postkonkrete“ Skulpturposition kann Kiecol die mannigfaltigen Beziehungen zum architektonischen Raum, zur Architektur assoziativ ausweiten. Zwischen Masse und Fragilität, Schwere und Leichtigkeit, Offen- und Geschlossenheit, Innen- und Außenraum changieren Kiecols Werke. Sie biedern sich nicht an und doch fordern sie den Betrachter auf, einen Standpunkt zu finden, der Distanz und Nähe ausbalanciert.

Hubert Kiecols Arbeit ist in ihrer Ruhe und stillen Konsequenz ein wichtiger Pol in der aufgeregten Welt der Kunst. Sie zeigt auch, wie wichtig der immer wieder zum Vorschein kommende minimalistische „rote Faden“ in den verschiedenen skulpturalen Tendenzen der letzten dreißig Jahre, im Teppich der Gegenwartskunst, ist.

Die Ausstellung zeigt Werke von den frühen 1980er Jahren bis zur Gegenwart in der Reihe der Einzelausstellungen skulpturaler Praxis im Museum für Gegenwartskunst Siegen (Gregor Schneider, Charlotte Posenenske, Richard Serra).