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Lieber Aby Warburg, was tun mit Bildern?

Vom Umgang mit fotografischem Material

Die Ausstellung zeigt 23 jüngere Positionen der Gegenwartskunst, die einen besonderen Umgang mit fotografischem Material praktizieren.

Lia Perjovschi, Subjective Art History from Modernism till today, 1990–2004, Courtesy the artist

Ausgehend vom „Mnemosyne“ Bilderatlas des berühmten Kunsthistorikers Aby Warburg (1866-1929) entfaltet die Ausstellung eine zeitgenössische Ästhetik von Bildkonfigurationen. Eine imaginäre Adressierung an ihn, wie sie der Titel der Ausstellung vorschlägt, ist eine Hommage, die diesen künstlerischen Kunsthistoriker aus der Sicht heutiger Kunstpraxis würdigt.

Warburg kombinierte in seinem Spätwerk der 1920er Jahre auf großen mobilen Tableaus Bildquellen unterschiedlicher Herkunft: Reproduktionen von Kunstwerken fanden sich neben Gebrauchsgrafik, Ansichtskarten oder Briefmarken. Seine experimentelle Zusammenstellung von Bildmaterial wollte eine forschende Perspektive auf Kunst und Alltagskunst werfen und war einem kulturellen Gedächtnis der Bilder auf der Spur. Die zu Lebzeiten Warburgs neue Verfügbarkeit von Reproduktionen war für ihn eine Chance, eine Bildpraxis zu entwerfen, wie sie vorher nicht möglich war. Inzwischen ist sein Bilderatlas selbst Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden und heute schätzen Künstler ihn wegen seiner variablen Ordnungsparameter und seines provisorischen Charakters.

Die Flut von reproduzierten Bildern ist für uns selbstverständlicher denn je. Entsprechend reagiert die aktuelle Kunst darauf mit sammelnder und archivarischer Arbeit. In den Blick rücken aber auch andere Aspekte des fotografischen Materials: die (in Frage zu stellende) Zweidimensionalität des Fotos, seine Hervorhebung durch Rahmung und Trägerformationen, die räumliche Inszenierung, auch die zeitliche Folge in Diaprojektion und Film.

Während sich drei Projekte konkret auf die Arbeit von Aby Warburg beziehen, ist der Bezug bei den anderen Arbeiten eher assoziativer Art. Neben Sammlung, Ansammlung, archivierenden und ordnenden Verfahren zeigt die Ausstellung hybride Verbindungen von Fotos mit Malerei und Skulptur. In Kombination mit anderen künstlerischen Medien, durch gestische Anordnungen, Montagen, Verwebungen und Verformungen, werden fotografische Bilder oft erneut zum Sprechen gebracht, obwohl sie – weil ort- und namenlos – schon ihre Bedeutung verloren hatten. Konzeptuelle Überlegungen zum fotografischen Medium und zum „Display", wie sie von der Kunst seit den 1960er Jahren entwickelt wurden, fließen hier selbstverständlich ein.

Die Bedeutung eines fotografischen Bildes liegt nicht im Bild selbst, entscheidend sind der Kontext und die formale Aktualisierung. Die Ausstellung zeigt, dass die Arbeit mit Bildern eine ästhetische und eine ethische Handlung ist.

Mit Beiträgen von
Özlem Altin
Tobias Buche
Mariana Castillo Deball
Marianna Christofides
Koenraad Dedobbeleer
Katalin Deér
Thea Djordjadze
Hervé Garcia
Cécile Hummel
Franziska Kabisch
Ulrike Kuschel
Alexandra Leykauf
Elke Marhöfer
Katrin Mayer
Lia Perjovschi
Manfred Pernice
Abigail Reynolds
Paula Roush
Ines Schaber and Stefan Pente
Eske Schlüters

Batia Suter
Simon Wachsmuth
Haegue Yang
Ulrike Kuschel
Alexandra Leykauf
Elke Marhöfer
Katrin Mayer
Lia Perjovschi
Manfred Pernice

Gefördert durch: Kulturstiftung des Bundes, Freundeskreis des Museums für Gegenwartskunst Siegen, prohelvetia – Schweizer Kulturstiftung.

Die Arbeit von Elke Marhöfer wurde gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

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