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Weder hier noch dort, weder Fisch noch Fleisch

Es ist zu früh für ihren Geschmack und sie steht unter der Dusche. Ihr Blick streift eine Flasche gehobenen Duschgels – Bio Reis Milch & Kirschblüten – und sie liest: „Begehe jeden Tag wie einen Neuanfang.“

Hans Haacke, Fotonotizen documenta 2, 1959, MGKSiegen, © Hans Haacke/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Das Objekt spricht, womöglich. Aber dessen Versuch, sie mittels eines Werbeslogans verpackt als Lebensweisheit einzunehmen, stimmt sie bloß traurig. Anstatt einen Neuanfang zu feiern, träumt sie mit offenen Augen vom Schlaf. Ihre Gedanken halten kurz an etwas fest, das sie kürzlich gelesen hat: der Aufruf zur „Erschöpfung“ als neues Paradigma sozialen Lebens.[1] Dann merkt sie, wie sie wieder die Flasche anstarrt. Es scheint ihr, dass Objekte nicht mit informativer Sprache oder vorgefertigten Aphorismen sprechen. Zumindest nicht die Objekte, die sie interessieren. Stattdessen scheinen sie eine Sensibilität zu verkörpern, die sich weder durch Erklärungen noch durch Informationen begreifen lässt.

Der Druck kognitiver Arbeit blieb. Dusche aus, sie öffnet ihren Laptop und beginnt zu schreiben. Folgendes wird passieren: (1) es wird zwei Ausstellungen geben; (2) sie werden sich räumlich und zeitlich überschneiden. Die Ausstellungen beginnen am 23. April 2015 im Museum für Gegenwartskunst in Siegen und enden am 12. Juli 2015 in Schloss Ringenberg in Hamminkeln. Beide Ausstellungen verbindet der Wunsch, sowohl unsere Unfähigkeit anzunehmen, etwas in seiner Ganzheit zu erfassen, als auch Freude im Redundanten und Banalen zu finden. Es ist ein Versuch, der linearen Übertragung von Informationen zu entfliehen und eine Nicht-Sprache des Rückzugs und der Verweigerung zu erlangen.
[1] Franco Bifo Berardi, The Uprising, (Los Angeles: Semiotext(e), 2012), 68.

Mit Beiträgen von
Ausstellung 1
Bernd und Hilla Becher
Simone Forti
Hans Haacke
Hans Hartung
Candida Höfer
Nancy Holt
Joan Jonas
Jochen Lempert
Bruce Nauman
Simone Nieweg
Sigmar Polke
Charlotte Posenenske
Yvonne Rainer
und Fritz Winter 

Ausstellung 2
Olivia Dunbar
Karin Hasselberg
Kitty Kraus
und Christoph Westermeier

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Museum für Gegenwartskunst Siegen und Schloss Ringenberg in Hamminkeln. Das Projekt ist Teil des Kuratorenprogramms followup, das auf die praxisorientierte Förderung junger KuratorInnen und KünstlerInnen in Zusammenarbeit mit deutschen und niederländischen Kultureinrichtungen zielt.

Kuratiert von: Angela Jerardi und Antonia Lotz

Gefördert u.a. durch: Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, Kunststiftung NRW und Mondriaan Fonds Amsterdam

11 Werke in der Sammlung