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Andrea Robbins/Max Becher

Verlagerungen

Andrea Robbins/Max Becher, Black Cowboys: Kareem, Harlem, NY, Sammlung Gegenwartskunst, MGKSiegen, Courtesy die Künstler

Die Bindung von Menschen, Kulturen, Orten ist heute in extremster Auflösung begriffen. Trotz Globalisierung und Digitalisierung möchte man aber immer noch annehmen, dass Kultur eine Verortung habe: einen Ort, an dem sie entstanden ist, an dem sie von Menschen gelebt und gestaltet wird. Die Geschichte kennt viele, oftmals widerstreitende Prozesse, in denen über einen Ort hinweg eine Kultur zur Projektionsfläche einer anderen wurde; Prozesse des beidseitigen Dialogs oder der einseitigen Beeinflussung bis hin zur Auslöschung der einen durch die andere.

Die Fälle, die das in New York lebende und arbeitende Fotografenpaar Andrea Robbins und Max Becher (geb. 1963 in Boston, M.A., geb. 1964 in Düsseldorf) ins Visier nehmen, haben schon eine historische Dimension angesichts der jüngsten Ereignisse extremer Migration in Europa. Doch die politische Brisanz ihrer Arbeiten ist deshalb nicht geringer.

Künstlerisch bedienen sich Robbins/Becher der Recherche, der Reise und der Kamera. Gegen offizielle Geschichtsschreibung und Allgemeinplätze setzt das Fotografenpaar ein close reading, darin liegt die emanzipatorische Kraft ihrer Arbeit. Mit ihrer direkten, sachlichen, nie journalistischen Bildsprache ziehen die Bilder die Betrachter in ihren Bann. Das Betrachten der Fotografien wird zu einem selbstreflexiven Vorgang, der vom Betrachter verlangt, Position einzunehmen und seine Vorstellungen und sein Vorwissen zu überdenken.

Die in der Siegener Ausstellung „Displacements/Verlagerungen“ gezeigten 12 Fotoserien von Robbins & Becher geben einen guten Überblick über das Schaffen der letzten 25 Jahre. Alle Serien, beispielsweise „Colonial Remains“, „770“, „German Indians“ oder „Black Cowboys“, widmen sich dem Einzelfall. Kulturtheorien bilden einen begleitenden Diskurs, schieben sich aber nie dominant in den Vordergrund.

Für das Museum für Gegenwartskunst ist die Ausstellung „Verlagerungen“ ein wichtiger Baustein in der Entwicklung eines besonderen thematischen Schwerpunkts: das Ausstellen und Sammeln von konzeptueller, projektorientierter Fotografie, die oft Fragen der regionalen Verankerung in einer globalen Welt behandelt.

Gefördert durch 
Kunststiftung NRW und der Stiftung der Sparda-Bank West

1 Publikation und 2 Werke in der Sammlung