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Diana Thater
Broken Circle

1997/2001
6 Videoprojektoren, 6 DVD-Player, 6 DVDs, Farbfolien, existierende Architektur
Sammlung Gegenwartskunst, Dauerleihgabe Peter Paul Rubens-Stiftung

Die Videoinstallation der kalifornischen Künstlerin Diana Thater zeigt ein scheinbar wildes, ursprüngliches Naturereignis: Eine Horde von Wildpferden, die zeitgleich in fünf verschiedenen Bildfeldern erscheint, galoppiert über die saftigen Wiesen eines nordamerikanischen Canyons.
Doch spätestens, wenn unvermittelt der Arm eines Kameramannes großflächig das Bildfeld durchkreuzt, verflüchtigt sich die Illusion einer vom Menschen unbeeinflussten, urtümlich gebliebenen Natur. Das Verhältnis zwischen filmischer Illusion, gefilmter Wirklichkeit und realem Raum rückt ins Bildfeld.

Die fünf Bildsequenzen, die auf vier Ebenen des Treppenhauses projiziert werden, sind in sich gebogen und folgen somit dem spiralförmigen Verlauf der Treppe. Es ist also naheliegend, den Anfang des filmischen Ablaufes im untersten Geschoss zu vermuten. Zu sehen ist dort zunächst ein aus den frühen Zeiten des Fernsehens vertrautes Testbild: Die breiten Streifen der elektroni-schen Farbskala (Gelb-Cyan-Grün-Magenta-Rot-Blau) werden überblendet vom Countdown der Zahlen (10-9-8-7-6-5-4-3-2-1). Dann beginnt der Film mit schwarz-weißen Aufnahmen einer Landschaft mit grasenden Pferden. Es erscheint der Titel des Werkes Broken Circle und im Vordergrund installieren zwei Kameraleute einen kastenförmigen Aufbau.

Thater legt damit die Bedingungen für ihre Arbeit von Beginn an programmatisch offen. Der wilde Galopp der Pferde ist kein Naturereignis, sondern eine bis ins Letzte ausgeklügelte Inszenierung, die in der Tat mit beträchtlichem Aufwand verbunden war. Entstanden sind die Aufnahmen im Januar 1997 auf der Ugland Ranch in Castaic, Kalifornien. Die Protagonisten (eine Berufsreiterin mit Assistentin und eine Herde von dreißig Pferden) werden in der Regel für die Produktion von Kino- und Fernsehfilmen ‘angemietet’. Die Tiere sind also professionelle Hollywood-Darsteller. Sogar die scheinbar so urtümliche, weite Landschaft ist in Wirklichkeit ein durch Berge und Flüsse hermetisch abgeriegeltes Areal, auf dem die Pferde vier Stunden lang hin und her getrieben wurden.

Die für das Kino- und Fernsehpublikum hergestellten Wunschbilder eines ungezügelten und naturverbundenen Lebens werden in der Installation zugleich aufgerufen und zerstört. Zudem wird diese Wunschprojektion von der Künstlerin durch die technische Überarbeitung des Filmmaterials schrittweise überformt und verfremdet. Der Betrachter findet auch in seiner realen Umgebung kein natürliches Licht vor; die Sonnenstrahlen dringen durch die farbigen Folien auf den Fenstern nur gefiltert durch das elektronische Farbenspektrum in den Raum. Auch die eigene, architektonische Realität wird somit zum Bestandteil der von Thater geschaffenen Gratwanderung zwischen Illusion und Wirklichkeit. So kann sich schließlich, wie die Künstlerin formuliert, “die Erkenntnis einstellen, dass das Kunstwerk diese zwei Welten in sich vereint.”

In Band Nr. 2 der Schriftenreihe des Museums, erhältlich in der Museumsbuchhandlung, wird die Arbeit ausführlich behandelt.

Biografie
3 Werkansichten
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